Wie chronische Entzündungen entstehen?

Eine Entzündung ist als eine natürliche Abwehrreaktion des Organismus auf innere oder äußere Reize (z.B. Druck, Fremdkörper, Strahlen, Mikroorganismen oder krankhafte Stoffwechselprodukte) grundsätzlich positiv zu bewerten. Dabei kommt es zu Rötung, Hitze, Schwellung, Schmerzen und Funktionsstörungen. Die Entzündungsreaktion geht vom Blutgefäßbindegewebe des geschädigten Organs oder Gewebes aus. Eine Entzündung, die über die entzündungsfördernden Zytokine ausgelöst wird, ist somit eine gute Sache als Teil der Immunabwehr. Je nach Ausmaß des schädigenden Einflusses laufen schließlich alle Abwehrkräfte auf Hochtouren.

Rechtzeitig stellt der Körper Antikörper her, wie im vorstehenden Kapitel ausgeführt. Die Rolle der Antikörper (die spezifisch auf den Eindringling gerichtet sind, den wir Antigen nennen) ist es, die „Fremdlinge“ im Körper zu suchen und anzugreifen. Wenn der Antikörper und das Antigen zusammen kommen, bilden sie sogenannte „Zirkulierende Immunkomplexe“ (CICs). Es gibt zwei mögliche Typen von CICs.

  • Der erste Typ tritt auf, wenn die Menge an Antikörpern im Blut - gerichtet gegen das Antigen (Feind / Eindringling) - ausreicht, den Eindringling zu übertreffen und zu überwältigen. Dann essen die weißen Blutkörperchen die fremden Zellen auf. Das ist eine gute Reaktion und es entsteht nur eine minimale Entzündung.

  • Die zweite Alternative ist problematisch! In diesem Scenario reichen die Antikörper nicht aus, den Eindringling zu überwältigen mit dem Resultat, dass die CICs mehr Antigene als Antikörper haben. Wenn das passiert, werden solche CICs im Gewebe eingelagert anstelle von den weißen Blutkörperchen ausgeschwemmt zu werden. Das Resultat dieser Einlagerung im Gewebe ist die Entzündung.

Bei Entzündungsprozessen werden vom Körper vermehrt freie Radikale aktiviert. Freie Radikale sind hochaktive Teilchen, die der Körper im Kampf gegen eindringende Krankheitserreger selbst herstellt, damit sie Bakterien und andere Keime abtöten. Freie Radikale arbeiten demnach eigentlich im Sinne unserer Gesundheit. Gefährlich werden sie erst, wenn sie im Übermaß entstehen. Sie greifen dann nicht nur Krankheitskeime, sondern auch körpereigene Substanzen an.

Geht die Entzündungsantwort über den anfänglichen (guten) Zweck hinaus und/oder erfolgen zu viele CIC Einlagerungen im Gewebe, dann kann dieses Stadium mehrere potenzielle Gesundheitsprobleme mit konkreten Scherzen und Beschwerden hervorrufen. Diese andauernde Entzündung nennt man dann „chronische Entzündung“.

Chronische Entzündungen können sich somit aus einer akuten entwickeln, wenn der Körper diese nicht stoppen kann, zu viele CIC-Einlagerungen im Gewebe erfolgen oder wenn die Auslöser (z.B. spezielle Erreger, die vom Immunsystem nicht erfolgreich bekämpft werden können) immer weiter schädigen; sie können sich aber auch von vornherein langsam entwickeln und anhalten.

In dem Kapitel „Immunsystem“ ist dargestellt, dass die T-Helferzellen (Th) einen direkten Einfluss auf die Entzündungsreaktion haben. Die Th1-Zellen  stoßen die entzündungsfördernden Zytokine aus. Die Th2-Zellen wiederum sondern die entzündungshemmenden Zytokine aus. Die T-Suppressorzellen haben die Aufgabe, die Balance zwischen Th1- und Th2-Zellen herzustellen, d.h. auch das richtige Verhältnis zwischen entzündungsfördernden und entzündungshemmenden Zytokinen.

Kommt es hier zu einem Ungleichgewicht – z.B. einer Th1-Dominanz – so bleibt die Entzündung bestehen. Bei der Nebenniere haben wir gezeigt, dass die Cortisol-Produktion überlastet und nicht mehr ausreichend sein kann, was die Entzündungen aufrechterhält. Das Th1-System kann zudem die Fähigkeit verlieren, zwischen befallenem Gewebe und gesundem Gewebe zu unterscheiden und greift damit auch letzteres an. Alle diese Prozesse werden als Autoimmunreaktionen bezeichnet und führen zu chronischen Entzündungen.