Chronische Multi-System-Erkrankungen
Immunologische Dysfunktionen (Störungen) spielen offensichtlich bei vielen chronischen Erkrankungen eine Schlüsselrolle. Die klassische Schulmedizin steht den immer häufiger anzutreffenden Fällen von Chronischem Erschöpfungs-Syndrom (CFS), Fibromyalgie (FMS) und Überempfindlichkeiten auf Chemikalien, Lebensmittel und Umwelt-Smog mehr oder weniger recht ratlos gegenüber. Sie kategorisiert diese inzwischen ein unter chronische Multi-System-Erkrankungen (CMI – Chronic Multisystem Illnesses).
Die pathogenen Immunreaktionen lassen sich nicht in die Muster von Autoimmunreaktionen und Allergien einordnen. Auffallend ist jeweils eine Fehlsteuerung der Entzündungsmechanismen des Immunsystems (Dysbalance der individuellen Toleranzmechanismen). Die Auslöser der Fehlsteuerung (Dysregulierung) können dabei vielfältig und individuell verschieden sein und resultieren aus der engen Vernetzung des komplexen Immun-Systems mit dem Nerven- und Hormon-System. Als immunologische Auslöser können neben Bakterien, Viren und Schadstoffen auch psychische Faktoren in Frage kommen.
Die Diagnostik erfordert eine umfangreiche Anamnese mit Differentialdiagnostik zu möglichen Ursachen und darauf basierend die Durchführung verschiedener Laboruntersuchungen (mehrere Module, in einer Art Stufendiagnostik veranlasst werden):
Labordiagnostik
Bislang gibt es keine diagnostischen Labortests oder objektivierende technische Untersuchungen rein für chronische Multi-System-Erkrankungen (CMI – Chronic Multisystem Illnesses). Trotzdem kann durch eine gezielte, stufenweise Laboranalytik die Diagnose „CMI“ objektiviert und im Schweregrad charakterisiert werden. Die Labortests sollten umfassen:
- Modul 1: Basis zum Screening
- Modul 2: Infektionsmodul
- Modul 3: Immunkompetenzmodul
- Modul 4: Vitaminmodul
Die notwendigen Laboruntersuchungen sind auf Basis der Anamnese und der körperlichen Untersuchung durch den behandelnden Arzt festzulegen. Weitere Informationen zu Diagnostik und Therapieansätzen finden Sie z.B. unter www.infectolab.de/index.php?id=63 . Bei chronischen Multi-System-Erkrankungen ist i.d.R. eine Ernährungsumstellung (basisch ausgerichtet und anti-entzündlich) sowie eine gezielte Nahrungsergänzung zur Stärkung der Immunabwehr und zur Kompensation von Dysbalancen sinnvoll.
Weitere Informationen zu Chronische Multi-System-Erkrankungen (CMI)
Unser Gesundheitswesen ist heute primär auf Akutbehandlung ausgerichtet und hat einen hohen Standard bei der Behandlung von Infektionserkrankungen, Verletzungen und bei chirurgischen Eingriffen erreicht. Den Erfolgen, die hier erreicht wurden, steht ein dramatischer Anstieg bei den chronischen Erkrankungen sowie Beschwerdebildern mit multiplen Unverträglichkeiten gegenüber.
Mit einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von 3-18 Jahren und über 100 Arztbesuchen verursachen chronische Erkrankungen einen Großteil der Kosten des Gesundheitswesens. In Deutschland schätzt man alleine CFS (chronisches Erschöpfungs-Syndrom) etwas 1 Mio. Erkrankte. Die volkswirtschaftlichen Kosten im Zusammenhang mit den Beschwerdebildern bei chronischen Multi-System-Erkrankungen sind erheblich (Arbeitsausfall und Versicherungsleistungen) sind erheblich. Kostentreibend wirkt sich in dem Zusammenhang auch der fehlende wissenschaftliche Konsens bezüglich der Anerkennung dieser Erkrankungen und der anzuwendenden bzw. sinnvollen Diagnostik und Therapie aus. Betroffene haben i.d.R. einen jahrelangen Leidensweg mit vielen Arztbesuchen durchgemacht, ohne dass sich die Beschwerden signifikant verbessert hätten.
Über die Ursachen für chronische Multi-System-Erkrankungen wird in medizinischen Fachorganisationen sehr kontrovers diskutiert. Bei all der Medikamenten-Gläubigkeit (Antibiotika, Antidepressiva, etc.) wird oft zu wenig Beachtung geschenkt, das eine ungesunde Ernährung und Defizite im Vitalstoffhaushalt, steigende Schadstoffbelastungen, die zunehmende Komplexität von Fremdstoffen (u.a. auch die stark ansteigende Belastung mit Nano-Partikel), Bewegungsmangel, Reizüberflutung und Stress in Kombination mit genetischen Voraussetzungen zu erheblichen Dysbalancen und Fehlfunktionen im Immunsystem und der Immunabwehr führen können.
Zu CFS (Chronisches Erschöpfungs-Syndrom) und Fibromyalgie (FMS) finden Sie weitergehende Informationen – sowohl zur Diagnostik als auch Therapie – über diese Links oder in der Seitennavigation. MCS (Multiple Chemikalienüberempfindlichkeit) wird zurück geführt auf Schadstoffen – Beschwerden ausgelöst durch kleinste, subtoxische Mengen von flüchtigen Schad- oder Geruchsstoffen (Lösemittel, Toner, Parfüm). MCS zeichnet sich ebenfalls durch eine mindestens 6 Monate andauernde Erschöpfungssituation aus, häufig im Anschluss an eine Infektionserkrankung. Die einzelnen Beschwerden des CMI-Formenkreises (chronische Multi-System-Erkrankungen) sind oft schwer klar voneinander abzugrenzen. So findet man z.B. bei über 50% der CFS- und Fibromyalgie-Patienten auch Chemikalien- u./o. Lebensmittelüberempfindlichkeiten u./o. Schwermetallbelastungen.
Betroffene Patienten klagen über systemische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, kognitive Einschränkungen, Gedächtnislücken, Konzentrationsstörungen und Depressionen, wobei der Symptom-Komplex individuell sehr unterschiedlich gewichtet sein kann. Hauptschwerpunkt der Diagnostik und Therapie ist die Immunabwehr und die ganzheitliche Stärkung des Immunsystems; dies gilt selbst dann, wenn die konventionellen Immunparameter (Autoantikörper, Immunglobuline im Serum, Lymphozytensubpopulationen) keine signifikanten Auffälligkeiten zeigen.
Erläuternde Hinweise:
- Zytokine regulieren die Immunantwort. Unter dem Oberbegriff Zytokine werden die verschiedenen Untergruppen von Immunbotenstoffen (Interleukine, Interferone, Kolonie-stimulierende Faktoren, Tumornekrosefaktoren, Chemotaktische Faktoren und Wachstumsfaktoren) zusammengefasst. Zytokine wirken i.d.R. auf mehrere verschiedene Zellarten und haben dabei unterschiedliche, z.T. sogar entgegengesetzte Wirkungen. Ein weiteres wichtiges Merkmal von Zytokinen ist deren Retundanz (verschiedene Zytokine können die gleiche Wirkung haben).
- Eine Fehlsteuerung der Th1/Th2-Regulation ist für die chronischen Entzündungen verantwortlich und bei den meisten CMI-Erkrankungen festzustellen.
- Immunologische Prozesse sind auch eng mit endokrinologischen und neurogenen Mechanismen gekoppelt. Signalmoleküle (Hormone, Neurotransmitter und Zytokine) dieser 3 zentralen System des Körpers sind nicht isoliert, sondern Teil des übergreifenden Regulationsnetzwerkes.
- Zytokine wie TNF-alpha, Interleukin1, 2, 6 und die Interferone beeinflussen auch auf direktem Wege die Psyche, Verhalten und Befindlichkeit, ebenso wie Hormone und Neurotransmitter. Unter diesem Gesichtspunkt sind psychische Auffälligkeiten bei CMI-Patienten als Sekundär-Phänomen einer deregulierten Neuro-Immunfunktion anzusehen und nicht als Ursache der Beschwerden.
- Klinische Konsequenzen können in einer erhöhten Infektanfälligkeit und der Reaktivierung latenter Bakterieninfektionen (Borrelien, Chlamydien, etc.) und von Virusinfektionen (EBV, CMV, HSV, VZV) im Sinne eines zellulären Immundefizites auftreten. Die unzureichende Erregerelimination begünstigt die Ausprägung von chronischen Bakterien- und/oder Virusinfekten mit entsprechenden klinischen Symptomen (bakterielles u./o. virales CFS).
- Bei dekompensierter Stresssituation mit Erschöpfung der Cortisol- und DHEA-Bereitstellung entfällt ein wichtiger Regulator der NF-kB induzierten Entzündung. Hier kommt es zu einer ungebremsten und überschießenden TH1-Immunantwort mit hoher IFN-gamma Bereitstellung.
In der Eingangsseite zu chronischen Entzündungen finden Sie eine Tabelle mit häufigen Krankheitsbildern, bei denen chronische Entzündungen zu erheblichen Beschwerden führen und die bei der Differentialdiagnostik auf CMI-Verdacht berücksichtigt werden sollten.
